Medizinisches Wissen auf den neusten Stand gebracht – S3 Leitlinie wurde aktualisiert

12. Januar 2018

Im Dezember 2017 wurde die aktualisierte S3 Leitlinie Brustkrebs vorgestellt und veröffentlicht. Die Leitlinie, die letztmals im Jahr 2012 überarbeitet wurde, fasst den aktuellen Stand des Wissens und der Wissenschaft zur Früherkennung, Behandlung und Nachsorge bei Brustkrebs zusammen. Sie richtet sich in erster Linie an Ärzte und alle Berufsgruppen, die in der Beratung und Behandlung von Brustkrebspa-tientinnen tätig sind. Aber auch für die Betroffenen selbst ist die Lektüre von Interesse und Bedeutung. Denn dort finden sich umfassende Informationen zu allen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten und auch eine Bewertung der unterschiedlichen Verfahren aus Expertensicht.

Erstmals widmet sich die Leitlinie jetzt auch dem Bereich „Früherkennung“. Dieses Thema wurde bis dato in einer eigenen Leitlinie behandelt. Die Leitlinienautoren gehen hier auch auf das Problem der Brustdichte ein – bei Frauen mit dichter Brust ist die Mammographie häufig diagnostisch „blind“ und liefert keine zuverlässigen Befunde –und bewerten andere bildgebende Verfahren. Sonographie und Mamma-MRT werden weiterhin nur in besonderen Situationen (Hochrisikopatientinnen) zur ergänzenden Diagnostik empfohlen. Gleichzeitig weisen die Autoren aber darauf hin, dass sich die Zuverlässigkeit der Mammographie bei Frauen mit hoher Brustdichte durch den Einsatz der Sonographie verbessern lässt, wenngleich wissenschaftliche Belege für die Senkung der Mortalität bei Einsatz der Kombinationsmethode fehlen.

Ausführlich beschäftigt sich die Leitlinie auch mit der Betreuung von Frauen mit familiärer Belastung. Hier gibt eine ausführliche Empfehlungen zur Risikokommunikation – Träger der Risikogene haben ein erhöhtes Lebenszeitrisiko auch für andere Krebserkrankungen – und zur intensivierten Früherkennung bei Patientinnen mit BRCA-Mutation.

Auch im Bereich der Diagnostik gibt es neue Empfehlungen. Bei Patientinnen mit erhöhtem Rückfall- oder Metastasierungsrisiko sollen CT-Untersuchungen von Brust- und Bauchraum durchgeführt werden. Die Leitlinien empfehlen auch, die herkömmlichen Prognosefaktoren um den Biomarker Ki67 zu ergänzen. Zudem wird ausdrücklich betont, dass der Einsatz von Multigentests –entgegen den Empfehlungen des Gemeinsamen Bundesausschusses - in bestimmen Fällen sinnvoll sein kann.

Im Bereich der operativen Therapie zielen die neuen Leitlinien darauf ab, den Anteil radikaler Eingriffe zu minimieren. Dies betrifft insbesondere auch die Hinweise auf moderne OP-Techniken, zum axiliären Staging (Sentinel-Biopsie, Axilladissektion nur bei mehr als zwei befallenen Lymphknoten) sowie zur neoadjuvanten Chemotherapie. Auch für die Strahlentherapie setzen die Leitlinien nun auf weniger aggressive Strategien. Besonders älteren Patientinnen sollte auch eine alleinige Teilbrustbestrahlung oder eine Au-fteilung der Strahlendosis (Hyperfraktionierung) auf mehrere Einzeldosen empfohlen werden. Für das the-rapeutische Vorgehen bei Lokalrezidiven und der metastasierten Erkrankung sieht die aktuelle Leitlinien-fassung neben der operativen Entfernung des Tumors (Entfernung im Gesunden) auch eine erneute Strahlentherapie und sowie die Behandlung mit Zytostatika vor. Beim hormonrezeptor-positivem Brust-krebs wird für Frauen nach den Wechseljahren in der metastasierten Situation in der Firstline-Therapie zum Einsatz eines Aromatasehemmer (Fulvestrant, Letrozol) ggf. in Kombination mit einem CDK4/6 Inhibitor geraten.

Ausführliche Erläuterungen bietet die Leitlinie auch zum Einfluss von Lebensstilfaktoren auf die Reduzierung des Rückfallrisikos. Körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion werden als wichtige, von der Patientin selbst zu beeinflussende Parameter genannt.

Die regelmäßige Anpassung der Leitlinien ist nach Einschätzung des Leitlinienkoordinators Prof. Achim Wöckel nicht zuletzt deshalb wichtig, weil diverse Studien zwischenzeitlich eindrucksvoll belegen, „dass ein leitlinienkonformes Vorgehen das Endergebnis der Brustkrebsbehandlung verbessert“. Deshalb sei eine regelmäßige Anpassung dder Leitlinie an neue Evidenz wichtig. (akk)